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Verleihung des Hessischen Integrationspreises

Eine ganz besondere Ehrung gab es am 11.11.2015 für den „Deutsch Syrischen Verein zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte e.V.“
Er bekam den 3. Platz des Hessischen Integrationspreises zugesprochen, der mit einem Preisgeld von 3000 Euro verbunden ist. Ausgezeichnet wurde er für

  • den beispielhaften Einsatz der aktiven Mitglieder
  • ihr herausragendes bürgerschaftliches Engagement
  • seine Arbeit als Ansprechpartner für die Integration syrischer Flüchtlinge.

Mit der feierlichen Verleihung des Preises im Schloss Biebrich bei Wiesbaden, können der Verein und seine Mitglieder auf vier spannungsreiche Jahre zurückblicken. Auf eine Zeit, in denen sie sich ständig zwischen Darmstadt und Aleppo bewegten, viele Male mit Flugzeug oder LKW, und immer in Gedanken daran, was als nächstes getan werden musste.

Dabei war im Jahr der Vereinsgründung, 2011, die Lage in Syrien noch vergleichsweise übersichtlich. Ziel der sieben Gründungsmitglieder war es, so der erste Vorsitzende Abdulhamid Al Jasem, hier in Deutschland aufzuklären und zu informieren: über die Rechtslage in Syrien, die Menschenrechtsverletzungen des Assad-Regimes. Der kleine Darmstädter Verein wurde tätig und baute bundesweit Infostände auf. Er wuchs in kurzer Zeit auf über 60 Mitglieder an, viele von ihnen kamen aus anderen Bundesländern. Und Hilfe kam auch von Politkern der unterschiedlichen Parteien.

Im Juli 2011 eskalierte die Situation in Syrien. Es kam zu bewaffneten Aufständen, es gab Tote und Verwundete, Städte wurden bombardiert, die Bevölkerung begann zu fliehen – vorerst vor allem in die benachbarte Türkei. Und der Darmstädter Verein handelte schnell, organisierte Sammlungen und schickte umgehend Hilfstransporte in die Türkei: Impfstoffe, Medizin, Babynahrung, Kleidung. Die ersten Schwerverletzten wurden nach Deutschland geholt und medizinisch behandelt.

Im Jahr 2013 begann die Flucht der Syrer nach Europa, und ein paar Dutzend Flüchtlinge kamen in Darmstadt an. Der Oberbürgermeister engagierte sich für den Verein als „Botschafter“. Die Darmstädter Syrer boten zahlreiche Hilfsangebote für ihre Landsleute an. Aufklärung über die Rechtslage, Begleitung bei Behördengängen, Deutschkurse waren gefragt. Ein Jahr später waren in Darmstadt etwa 70 syrische Flüchtlinge gemeldet. Sie konnten dezentral in Wohnungen untergebracht werden und wurden bei den ersten Schritten in der neuen Umgebung tatkräftig unterstützt.

Und so sieht es nun im letzten Quartal 2015 aus: Über 2000 Flüchtlinge leben zurzeit in Darmstadt, die meisten in Massenunterkünften ohne jede Privatsphäre. Etwa ein Drittel von ihnen sind Syrer. Die meisten von ihnen brauchen Wohnungen, Deutschkurse, Arbeit und eine Perspektive. Der kleine syrische Verein hat jetzt eine riesige Aufgabe übernommen, denn die Sprachkenntnisse der Mitglieder sind mehr als je zuvor gefragt.

Nun betreuen die über 20 Ehrenamtlichen also jene, die Hilfe am nötigsten haben – notfalls auch mitten in der Nacht, wenn jemand ins Krankenhaus gebracht werden muss. Sie sind dabei, wenn ein Flüchtling sich der obligatorischen ersten medizinischen Untersuchung unterziehen muss. Sie helfen, wenn die Schlafplätze vergeben werden und die Menschen in das System der Notunterkünfte eingewiesen werden. Sie übersetzen bei der Registrierung, denn erst danach ist man kein „Illegaler“ mehr. Die Helfer sind Studenten, Rentner und Berufstätige, die ständig in Kontakt stehen, sich absprechen, wo sofort Hilfe gebraucht wird und wer dafür zuständig ist.

„Es gibt hier eine riesige Hilfsbereitschaft“, sagt Al Jasem. Er weiß, dass noch viel zu tun ist. Aber nach den Erfahrungen der letzten Monate ist er voller Hoffnung, dass die Menschen in Darmstadt die Worte der Kanzlerin bestätigen: „Wir schaffen das.“